Rollcollarpunk

20 Jahre Mauerfall: Ein paar Gedanken

12. September 2009 · 1 Kommentar

Im August habe ich zusammen mit alten Freunden ein Wochenende im Wanderheim in Steinbach im Frankenwald verbracht. Grillen, Chillen, Bier trinken… Ich war als Kind schon oft in Steinbach denn dort wohnt meine Großmutter. Samstagnachmittag machen wir einen Verdauungspaziergang und zum ersten mal fällt mir auf wie nahe dieser Ort an der ehemaligen Grenze ist. In nordöstlicher Richtung ganze 4 Kilometer dann war Schluss!

Kurze Zeit später hab ich mich mit meiner Oma mal darüber unterhalten wie es war so nahe dran zu wohnen. „Es war schlimm.“ Als Teenie konnte sie noch nach Schlegel, Seibis oder Titschendorf „auf’n Tanz“ (Ringelpiez mit Anfassen) die Grenze zwischen Thüringen und Bayern wurde, zumindest von den Jugendlichen, nicht als solche Wahrgenommen. „Mer is halt do hi wu wos lus wor“ (Man ging halt da hin wo was ging). Und plötzlich waren die gerade aufgezählten Orte unerreichbar. Die Freunde die man dort hatte waren weggesperrt. Für meine Oma bedeutete die Mauer: Verlust & Einschränkung,  Sie war direkt betroffen. (Ich musste 24 Jahre alt werden um das zu merken!)

Ich bin ca. 15 Kilometer von der ehemaligen Grenze großgeworden. Ich hab die Mauer als Vierjähriger ein einziges mal gesehen und mir nix dabei gedacht. Nach der Wende ging es mit Landkreis Hof nicht wirklich Bergauf,  Fördergelder wegen Grenznähe wurden runtergefahren/gestrichen und schon bald war die Luft dick. Vor zehn jahren waren viele meiner Mitschüler der Meinung: Es sei besser die Mauer wieder aufzubauen denn die Zonies nehmen uns die Arbeitsplätze weg und der Aufbau Ost verschlingt das Geld das wir dringend bräuchten. Der Geschichtsunterricht konnte hier nicht wirklich gegensteuern… Rückblickend muss ich sagen das Thema Mauerfall & Wiedervereinigung ist mir in der Schule nicht wirklich nahegebracht worden. Dabei wäre es doch sicherlich nicht allzu schwer gewesen ein paar Zeitzeugen von beiden Seiten in die Schule zu holen oder (statt langweiligem Schulfest) einen Projekttag mit einer Klasse aus Thüringen oder Sachsen zu machen.

Zurück zu meiner Oma für sie war es keine große Sache in Thüringen Party zu machen. Als ich hingegen 18 wurde und dank eigenem Auto endlich auch richtig mobil war bin ich trotzdem (fast) nie in den Osten gefahren. Nicht weil ich ich ihn scheiße fand, ich hatte ihn einfach nicht auf dem Schirm. Der Eventkalender in der Lokalzeitung deckte zwar das ganze Vogtland ab, Weggegangen bin ich aber trotzdem nur in Bayern! An besagtem Augustwochenende kam dann am Lagerfeuer die Frage auf: „Jungs, warum waren wir eigentlich nie im Osten?“ Wir haben keine plausible Antwort gefunden. Wir haben einfach nicht dran gedacht. Krass oder?

Seit dem Gespräch mit meiner Oma beschäftig mich das Thema Wende & Mauerfall wieder. Denn auch wenn die Mauer weg ist, es ist nicht mehr so wie vorher… Jetzt werden die ersten Kinder geboren deren ( junge) Eltern schon nicht mehr in der DDR geboren wurden obwohl sie im Osten der Republik das Licht der Welt erblickten. Trotzdem denken wie noch (unbeabsichtlich?) in Ostdeutschland und Westdeutschland. So, irgentwie weiss ich jetzt nicht mehr wie ich diesen Post sauber abschließen könnte, macht nix , dass zeigt mir das es  dran ist sich mehr mit diesem Land zu beschäftigen. Sich darauf einzulassen!

Kategorien: Teeing Off · where is my mind

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