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20 Jahre Mauerfall: Ein paar Gedanken

12. September 2009 · 1 Kommentar

Im August habe ich zusammen mit alten Freunden ein Wochenende im Wanderheim in Steinbach im Frankenwald verbracht. Grillen, Chillen, Bier trinken… Ich war als Kind schon oft in Steinbach denn dort wohnt meine Großmutter. Samstagnachmittag machen wir einen Verdauungspaziergang und zum ersten mal fällt mir auf wie nahe dieser Ort an der ehemaligen Grenze ist. In nordöstlicher Richtung ganze 4 Kilometer dann war Schluss!

Kurze Zeit später hab ich mich mit meiner Oma mal darüber unterhalten wie es war so nahe dran zu wohnen. „Es war schlimm.“ Als Teenie konnte sie noch nach Schlegel, Seibis oder Titschendorf „auf’n Tanz“ (Ringelpiez mit Anfassen) die Grenze zwischen Thüringen und Bayern wurde, zumindest von den Jugendlichen, nicht als solche Wahrgenommen. „Mer is halt do hi wu wos lus wor“ (Man ging halt da hin wo was ging). Und plötzlich waren die gerade aufgezählten Orte unerreichbar. Die Freunde die man dort hatte waren weggesperrt. Für meine Oma bedeutete die Mauer: Verlust & Einschränkung,  Sie war direkt betroffen. (Ich musste 24 Jahre alt werden um das zu merken!)

Ich bin ca. 15 Kilometer von der ehemaligen Grenze großgeworden. Ich hab die Mauer als Vierjähriger ein einziges mal gesehen und mir nix dabei gedacht. Nach der Wende ging es mit Landkreis Hof nicht wirklich Bergauf,  Fördergelder wegen Grenznähe wurden runtergefahren/gestrichen und schon bald war die Luft dick. Vor zehn jahren waren viele meiner Mitschüler der Meinung: Es sei besser die Mauer wieder aufzubauen denn die Zonies nehmen uns die Arbeitsplätze weg und der Aufbau Ost verschlingt das Geld das wir dringend bräuchten. Der Geschichtsunterricht konnte hier nicht wirklich gegensteuern… Rückblickend muss ich sagen das Thema Mauerfall & Wiedervereinigung ist mir in der Schule nicht wirklich nahegebracht worden. Dabei wäre es doch sicherlich nicht allzu schwer gewesen ein paar Zeitzeugen von beiden Seiten in die Schule zu holen oder (statt langweiligem Schulfest) einen Projekttag mit einer Klasse aus Thüringen oder Sachsen zu machen.

Zurück zu meiner Oma für sie war es keine große Sache in Thüringen Party zu machen. Als ich hingegen 18 wurde und dank eigenem Auto endlich auch richtig mobil war bin ich trotzdem (fast) nie in den Osten gefahren. Nicht weil ich ich ihn scheiße fand, ich hatte ihn einfach nicht auf dem Schirm. Der Eventkalender in der Lokalzeitung deckte zwar das ganze Vogtland ab, Weggegangen bin ich aber trotzdem nur in Bayern! An besagtem Augustwochenende kam dann am Lagerfeuer die Frage auf: „Jungs, warum waren wir eigentlich nie im Osten?“ Wir haben keine plausible Antwort gefunden. Wir haben einfach nicht dran gedacht. Krass oder?

Seit dem Gespräch mit meiner Oma beschäftig mich das Thema Wende & Mauerfall wieder. Denn auch wenn die Mauer weg ist, es ist nicht mehr so wie vorher… Jetzt werden die ersten Kinder geboren deren ( junge) Eltern schon nicht mehr in der DDR geboren wurden obwohl sie im Osten der Republik das Licht der Welt erblickten. Trotzdem denken wie noch (unbeabsichtlich?) in Ostdeutschland und Westdeutschland. So, irgentwie weiss ich jetzt nicht mehr wie ich diesen Post sauber abschließen könnte, macht nix , dass zeigt mir das es  dran ist sich mehr mit diesem Land zu beschäftigen. Sich darauf einzulassen!

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Wahlfrust

4. September 2009 · 6 Kommentare

25. September muss darf ich wählen gehen! Darum lese ich zur Zeit mehr Zeitung als sonst und klicke mich durch jeden Wahl-o-mat den ich finde.  Das Ergebnis ist frustrierend: Ich finde keine Partei mit der ich mich identifizieren kann – Ich würde mich echt gerne mehr für Politik interessieren aber es wird mir echt nicht leicht gemacht… Und wie ich sie hasse die Wahlwerbespots: Lauter mega-hippe Mittzwanziger die gutgelaunt an die Urnen marschieren um mitzubestimmen… Ja, ich werde wählen gehen allein schon damit DIE LINKE und die NPD nicht durch mein Nichtwählen gestärkt werden. Aber ist mit der Demokratie in Deutschland – so wie sie jetzt ist – überhaupt Veränderung im System möglich? Ich denke viele Menschen würden sich gerne mehr engagieren, etwas bewegen, mitgestalten ( z.B für das BGE) aber dafür in eine Partei eintreten?

Btw: Danke an Niko, dass du mich auf dieses Video aufmerksam gemacht hast. Precht sagt  hier ein paar sehr, sehr Interessante Sätze:

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Why we fight

2. März 2009 · 1 Kommentar

Gestern habe ich eine sehr interessante Dokumentation gesehen: Why We Fight. In diesem, absolut sehenswerten,Film geht es um den sog. Militärisch-industrieller Komplex in den  USA:

Militärisch-industrieller Komplex, auf C. W. Mills und D. D. Eisenhower zurückgehende Bezeichnung für eine industrielle, militärische, wissenschaftliche und politische Interessenverbindung, die aufgrund ihrer engen Verflechtung nicht mehr parlamentarisch zu kontrollieren ist und so zu einem nicht legitimierten Machtzentrum im Staat wird. (Meyers Online Lexikon)

Präsident Eisenhower warnte die Menschen in seiner Abschiedsrede davor die Bedrohung die von einer permanenten Rüstungsindustrie ausgeht auf die leichte zu Schulter zu nehmen. 48 Jahre später frage ich mich wie die Welt heute wohl aussehen würde, wenn man auf ihn gehört hätte? 

…In the councils of government, we must guard against the acquisition of unwarranted influence, whether sought or unsought, by the militaryindustrial complex. The potential for the disastrous rise of misplaced power exists and will persist.

We must never let the weight of this combination endanger our liberties or democratic processes. We should take nothing for granted. Only an alert and knowledgeable citizenry can compel the proper meshing of the huge industrial and military machinery of defense with our peaceful methods and goals, so that security and liberty may prosper together…. D.D. Eisenhower

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Jesus kommt nach Mittelfranken

20. Februar 2009 · 5 Kommentare

Gestern schlage ich, rein zufällig, die Regionalzeitung auf und was ich da lese will ich immer noch nicht so recht glauben: Die Stadt Wassertrüdingen plant den Bau der größten Jesusstatue aller Zeiten – 17 Meter höher als der Jesus in Rio. Auf der Homepage der Stadt las ich heute das hier:

Auf einer Fläche nördlich des Eislers soll als Zeichen der christlichen Entwicklung Bayerns die mit 55 Metern Höhe weltweite größte, nach künstlerischen Aspekten ausgebildete Christusstatue entstehen, mit Infrastruktur wie etwa Begegnungsräumen und Räumen für Gottesdienste, insbesondere auch für Jugendliche. In Ergänzung zu diesem Monument beabsichtigt die Investorengruppe südlich des Schafhofkreisels ein „Pilgerhotel“ mit 185 Zimmern, Spa-Bereich, Tiefgarage und Restauration zu errichten. Das gesamte Investitionsvolumen beträgt rund 20 Millionen Euro und wird über eine Stiftung gesichert, der nicht nur die Errichtung der Statue und des Hotels, sondern auch der Betrieb und die Erhaltung beider Einrichtungen obliegt. Hotel und Statue sollen mit „Pilgerwegen“ verbunden werden… Der Stadtrat gab nahezu einstimmig den Weg für die Bauleitplanung frei…

Ist das schräg oder ist das schräg? Sicher, Jesus ist gut für die Wirtschaft (in der Region), dass weiß auch Bürgermeister Babel. Aber würde Jesus wollen das man von überall auf der Welt zu seinem Abbild pilgert um in seinen ausgehöhlten Füßen Gottesdienste zu veranstalten? Wohl kaum. Er hat den Menschen Leben statt Religiosität gebracht. Und Jesus hätte 20 Mil. sicher sinnvoller ausgegeben.Ja,  Wassertrüdingen braucht Jesus aber den echten und nicht einen aus Polyester und Flüssigholz.

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Das nervt auch…

9. Januar 2009 · 4 Kommentare

Der Getränkemarkt in dem ich arbeite ist nach Neuendettelsau umgezogen. Also muss ich jetzt jeden Tag 15 km Auto fahren, vorher musste ich nur über die Straße gehen und war im Laden. Das hat mich ziemlich aufgeregt!

Gestern hatte ich dann aber eine interessante Eingebung: Ich muss jetzt jeden Tag früher Aufstehen und zur Arbeit fahren: das nervt. Würde ich jetzt aber meinen Job kündigen müsste ich mir einen neuen suchen: das würde auch nerven. Eventuell wäre ich dann ein Zeitarbeiter und müsste noch flexibler sein: das würde auch nerven. Fazit: Irgendwas nervt immer! Als ich so darüber nachgedachte habe was mir so alles auf die Nerven geht (da kam einiges zusammen) hab ich festgestellt: Sich (dauernd) aufregen kostet Kraft, die dann anderswo fehlt – im Studium, im Haushalt etc.

Könnte es sein das mein Problem nicht zu wenig Zeit sondern zu wenig Kraft ist? „Die Dinge denen wir Aufmerksamkeit schenken wachsen“ Ich weiß nicht wer das gesagt hat aber es stimmt. Wenn ich mich ständig auf all die Unannehmlichkeiten des Alltags  konzentriere werde ich auch unzufrieden. Unzufrieden mit dem Leben, Gott und mir selbst… Das eine negative Grundhaltung schlecht für die Motivation ist muss ich hier nicht bloggen, darüber gibt‘s genug Bücher. Deshalb will ich die nächsten vier Wochen ganz bewusst die Positiven Dinge in meinem Alltag wahrnehmen. Mal schauen was das mit mir macht. In vier Wochen wird gebloggt  was sich verändert hat..

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So wird man Nahostkorrespondent – Eine Anleitung

6. Oktober 2008 · 2 Kommentare

Von Claudio Casula

Mach dir keine Sorgen: Obwohl der israelisch-arabische Konflikt schon etliche Jahrzehnte währt und hochkomplex ist, ist für den Berichterstatter kaum Grundwissen erforderlich. Es ist auch gar nicht nötig, den unwissenden Leser oder Zuschauer mit Fakten zu nerven und das ganz dicke Brett zu bohren. Ein simples Bild ist gefragt.

Und die Sache ist ganz einfach: Israel ist die stärkere Partei in diesem Konflikt (Bad Guy), die Palästinenser die Underdogs (Good Guy). Nach diesem Muster biegen wir die Ereignisse vor Ort zurecht. Du wirst sehen, es geht wie von selbst.

Vorbemerkung

Israel ist klein, gerade mal so groß wie Hessen, der Konflikt mit den Palästinensern im Vergleich zu anderen Kriegen lokal und eher begrenzt, auch von der Opferzahl her. Gerade mal zwei Tote pro Tag im Durchschnitt während der „Intifada“. Das soll uns aber nicht anfechten. Tu so, als wäre jeder scheele Blick eine Meldung wert. Und wenn im Darfur in drei Jahren 180.000 Menschen niedergemacht werden – ein Toter in Gaza, ein paar neue Häuser in einer Siedlung, eine Demo, täglich dargebracht, vermitteln unserer Kundschaft: Da vor allem geht es um die Wurst.

Die Leute glauben längst, dass der Kampf um Israel/Palästina der Konflikt unserer Zeit ist, und wir arbeiten daran, dass es so bleibt.

Für dich ist der Job ideal: Du wohnst in Tel Aviv, kannst tagsüber im Mittelmeer baden und abends bequem in deinem Lieblings-Pub ein Bierchen zischen. Wenn du ein bisschen Action haben willst, brauchst du nur 15 km nach Osten zu fahren. So einen Konfliktherd findest du kein zweites Mal.

Fakten

Geh sparsam mit Fakten und bestätigten Meldungen um. Saftige Gerüchte und vorschnelle Anschuldigungen sind viel aufregender. Erinnere dich an Muhammed al-Dura. Oder an das „Massaker von Jenin“. Heiko Flottau hat damals geschlagene zwei Wochen lang in der SZ sehr farbenfrohe Schauergeschichten von „500 Toten“ gebracht, von Männern, die auf der Erde nebeneinander gelegt von Panzern überrollt wurden etc. In solchen Fällen setzt du die Glaubwürdigkeit deiner Gewährsleute einfach voraus. Entpuppt sich die Geschichte hinterher als grandiose Ente, ist das kein Drama. Eine Entschuldigung wird dein Blatt / dein Sender ohnehin nicht bringen. Oder du setzt wie Flottau einen drauf und machst dich am Ende noch über den „Fehlschlag“ der israelischen Armee lustig, die eben doch nur zwei Dutzend Terroristen erwischt hat.

Wenn es um die Ursachen für die „Al-Aqsa-Intifada“ geht, ignoriere das Geständnis des palästinensischen Kommunikationsministers Faludji, der schon vor Jahren zugab, dass die Gewaltwelle Monate im Voraus geplant war. Wärme statt dessen zum x-ten Mal die ranzige These von Sharons Kurzbesuch auf dem Tempelberg als „Provokation“ auf.

Opfer

Tote liefern spektakuläre Bilder. Die Araber zeigen die ihren gerne her, die Juden aus Pietätsgründen nicht. Also bringen wir auch nur die arabischen. Außerdem ist bei palästinensischen Begräbnissen immer was los, mit Hunderten, die in die Luft ballern und Rache schwören, während die Israelis nur schluchzend am Grab stehen.
Wichtig: Unbedingt vermeiden, dass man israelische Opfer sieht. Nach jedem Anschlag liegen in den Krankenhäusern Dutzende Schwerverletzte herum. Bekommt der deutsche Medienkonsument die zu sehen, könnte er auf die Idee kommen, dass auch Israelis Opfer des Konflikts werden.
In die Opferstatistik packen wir übrigens unterschiedslos alles rein, was bei dem Konflikt zu Tode kommt: Selbstmordbomber und ihre Opfer, Siedlerkinder und gezielt liquidierte Terror-Chefs, Zivilisten und Soldaten, nicht uniformierte Gunmen und Gelynchte, Kollateralschäden und Bewaffnete, die beim Überfall auf eine Ortschaft erschossen werden etc. Der Vorteil des undifferenzierten Bodycounts: Wer am Ende mehr Tote zu beklagen hat, egal ob Kombattanten oder Fahrgäste im Linienbus, ist im Recht.

Bilder, Bilder, Bilder

Die Medienpräsenz in Israel und Palästina wird dich überraschen. Dort drängeln sich mehr Journalisten als in ganz Afrika. Um jeden Steinewerfer stehen sechs Kameramänner und Fotografen herum. Dein arabischer Fotograf weiß schon, welche Motive gefragt sind, etwa wenn ein Panzer des Weges kommt und ein kleiner Junge zur Schleuder greift. Solche Gelegenheiten ergeben sich zuhauf, ja täglich, wohingegen man sich vom nächsten Busbombenattentat in Tel Aviv überraschen lassen muss. Da sind dann nun mal keine Bilder möglich.

Ursache und Wirkung

Geschieht ein solcher Anschlag, können wir davon ausgehen, dass die israelische Armee gegen die Urheber vorgeht. Dann sind wir wieder dabei. Wichtig: Die üppige Verwendung des Wortes „Vergeltung“, auch wenn es sich um eine absolut vertretbare Maßnahme zum Schutz der Bürger handelt. Der Wiedererkennungswert („alttestamentarische Rachsucht“) ist beträchtlich und delegitimiert die Aktion. Bemühe das Bibelwort „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ bei jeder Gelegenheit. Es geht da zwar um Entschädigungsregelungen, aber das weiß eh kein Mensch. Erwischt die israelische Armee einen Chefterroristen per Rakete in seinem Auto, machen wir auf mit „Israel greift Gaza-Stadt an“.

Pflanzt ein Terrorist am Straßenrand eine Bombe, wird dabei von einer Patrouille erwischt und erschossen, titeln wir „Israelis erschießen Palästinenser“. Am Ende bleiben so nicht die palästinensischen Aktionen hängen, sondern die israelischen Reaktionen. Genial, nicht?

Die Mauer

Die von Israel errichtete Sicherheitsanlage besteht zu 96 Prozent aus High-Tech-Zaun, aber wir bleiben beim Terminus Mauer, das ist plakativer und erinnert an das Berliner Monstrum. Vermeide, den rasanten Rückgang der Terroranschläge um 80 Prozent zu erwähnen und weise statt dessen darauf hin, dass der Bau der „Mauer“ manche Unbill für die palästinensischen Anrainer mit sich bringt.

Fahre notfalls 50 Kilometer am Zaun entlang, bis du ein Mauerstück findest, das du filmen kannst, gern mit einem palästinensischen Jungen davor, der einen Esel an der Leine führt. Alternativ: ein altes Mütterchen mit Kopftuch, das einen Checkpoint passiert oder mit einem schwer bewaffneten Soldaten disputiert.

Empöre dich über acht Meter hohe Betonteile und lass außer Acht, dass sie dort errichtet wurden, wo früher Gewehrschützen auf Autos und doppelstöckige Linienbusse schießen konnten.
Akzeptiere die Klage, die Sperranlage sei ein Hindernis für den Frieden, obwohl sie erwiesenermaßen ein Hindernis für Terroristen ist.

Friedensgegner

Im Gegensatz zu den palästinensischen Autonomiegebieten ist Israel eine Demokratie, in der echte Radikale kaum Zulauf haben. Erkläre deshalb jeden zum Hardliner, der sich rechts von Uri Avnery befindet.

Lässt du mal einen Israeli zu Wort kommen, was möglichst selten der Fall sein sollte, dann nimm einen wie Avneri oder auch Moshe Zimmermann. Die sprechen praktischerweise auch beide deutsch. Jeder Mainstream-Israeli, der aus guten Gründen Zweifel am Friedenswillen des palästinensischen „Partners“ hat, ist für uns ein Gegner des Friedens an sich. Ganz wichtig: Stelle die Linken als die wenigen guten Israelis dar, die Siedler als das Böse schlechthin und ignoriere die breite Mitte der Gesellschaft. Sorge dafür, dass vor allem Soldaten, bewaffnete Siedler und orthodoxe Juden in deinen Berichten auftauchen.

In der palästinensischen Gesellschaft gibt es kaum echte Demokraten, deshalb gehört eine säkulare Terrororganisation wie Fatah schon in die Schublade „gemäßigt“, auch wenn noch der letzte Likudnik mehr Demokratieverständnis besitzt als diese maskierten und Kalaschnikows schwingenden Kohorten. Danach kannst du die Hamas ruhig „radikal“ oder besser „militant“ nennen und guten Gewissens von „Radikalen“ oder „Extremisten auf beiden Seiten“ sprechen.

Mach alles gleich. Zwar stehen sich in diesem Konflikt zwei sehr unterschiedliche Parteien gegenüber, nämlich auf der einen Seite eine pluralistische parlamentarische Demokratie mit freier Presse, Gewaltenteilung etc., vom Wählerwillen auf Friedenskurs getrimmt, auf der anderen ein von korrupten Revoluzzern und Warlords kontrollierter rechtsfreier Raum, in dem allerhand Milizen ungehemmt wachsen und gedeihen, die ein Interesse am fortwährenden Kriegszustand haben, um von ihrem völligen Versagen auf allen Gebieten abzulenken. Du aber musst den Eindruck erwecken, dass da zwei irgendwie gleich geartete Konfliktparteien miteinander zu Potte kommen können. Vergiss die herkömmliche Weisheit, dass man für den Frieden zwei braucht, für den Krieg aber bereits einer genügt.

Hintergrundinformationen

Absolut tabu. Wenn du erst einmal anfängst, Teilungspläne, israelische Friedensofferten oder arabische Kompromissunfähigkeit zu erläutern, verunsicherst du nur die Leute, die den Beginn des Konflikts mit der Eroberung der Westbank und Gazas 1967 ansetzen und lediglich zwischen Besetzten und Besatzern unterscheiden wollen. Lass es!

Die Palästinenser

Hab Verständnis. Hab noch mehr Verständnis. Egal, was sie treiben, ob Lynchmorde an Kollaborateuren oder Jubelfeiern nach einem Massaker in Jerusalem, ob sie israelische Flaggen verbrennen und „Tod den Juden!“ rufen oder Straßen nach Suizidmassenmördern benennen, ob sie Kinder als Kanonenfutter missbrauchen oder unehelich schwanger gewordene Frauen zur Wiederherstellung der Familienehre in den Märtyrertod schicken. Merke: An allem ist „die Besatzung“ schuld, zehn Jahre Autonomie hin oder her.
Hake nicht nach, wenn Saeb Erekat von „40 years of occupation“ spricht und Osloer Abkommen und Selbstverwaltung souverän ausklammert.

Unterschlage, dass die Roadmap in erster Linie von der PA Maßnahmen gegen den Terror fordert. Akzeptiere, dass Kompromisse seitens der Palästinenser nicht möglich sind, weil sie ihre Maximalforderungen als „heilige Rechte“ ansehen und jedes Entgegenkommen als Verrat.
Lass sie jammern. Lass sie noch mehr jammern. Über Landkonfiszierungen und abgeholzte Olivenbäume, Mauerbau und Checkpoints und darüber, dass sie nicht mehr in Israel arbeiten dürfen. Halte dich nicht mit Erklärungen der Ursachen für jede dieser Maßnahmen auf. Dafür bleibt im unserem Tagesgeschäft keine Zeit. Schließlich können wir über alles reden, aber nicht über 1:30.

Gefahren

Vermeide es, auch nur ein Wort der Kritik am Gewalt- und Todeskult in den Gebieten zu verlieren. Mit Kritik kann man dort schlecht umgehen. Denk an Ricardo Cristiano von der RAI, der sich dafür entschuldigt hat, dass die Kollegen vom Privatsender RTI den Lynchmord von Ramallah gefilmt hatten, und an die massiven Drohungen gegen Journalisten, die das Verbrechen dokumentieren wollten. Oder an die Jubelszenen in Ramallah am 11. September. Man hat die ausländischen Reporter damals in einem Hotel eingesperrt, bis das Happening vorbei war. Also halte den Ball flach.

In Israel geschieht dir nichts. Die Linken sind dir sogar gern behilflich, wenn du Israel anprangerst, und die breite Masse ist ohnehin nichts anderes gewohnt.
Geht es in den Gebieten mal etwas heftiger zur Sache, bleib cool. Wozu hast du all die arabischen Freelancer, die als Fotografen und Kameramänner vor Ort sind? Mach dir den doppelten praktischen Nutzen klar: du musst das Bildmaterial nicht einmal sichten.

Wenn du für das Fernsehen arbeitest, spare dir das Anlegen der schusssicheren Weste für den Aufsager am Abend auf, damit man auch sieht: Hei-ho, der traut sich aber was als Krisenreporter!

Kleines Wörterbuch:

Die dezente Zurückhaltung, die wir bei der Berichterstattung aus Frankreich oder Australien üben, darfst du an deinem neuen Arbeitsplatz getrost ablegen. Werte nach Herzenslust, greife tief in die Phrasenkiste, gehe großzügig mit Euphemismen und Hyperbeln um.

Terrorist: Militanter, Kämpfer, Radikaler, Bewaffneter
Terroranschlag: Angriff, Zwischenfall
Terrorwelle: Intifada, Aufstand, Unruhen, Widerstand, Ringen um Unabhängigkeit
Militäraktion gegen Terroristen: blutige Vergeltung, Rache, Drehen an der Gewaltspirale
Israelischer Politiker: Hardliner
Palästinensischer Diktator: charismatischer Führer
Arabischer Märchenerzähler aus Jenin: Augenzeuge
Zaun: Mauer
Liquidierung einer „ticking bomb“: ungesetzliche Tötung
Andauernde Gewalt: Waffenstillstand, Hudna
Steine- und Molliwerfer, Gewehrschütze: Demonstrant
Chef einer islamistischen Terrororganisation: spiritueller Führer
Dessen Stellvertreter: Kinderarzt

Beachte: Palästinenser nie im Aktiv erwähnen! Palästinenser werden erschossen, aber sie ermorden niemals Israelis. Sprengt ein Terrorist einen Bus in die Luft, titeln wir neutral: „Anschlag in Tel Aviv“. Oder: „Nahost: Tote bei Selbstmordattentat“. Nie die Urheber erwähnen. Zwar werden die Bomber immer von einer Organisation losgeschickt und sind nur ein Rädchen in der Maschinerie des Terrors. Sprich aber trotzdem von einer „Verzweiflungstat“, das gibt den Human Touch.

Halte Äquidistanz zu Tätern und Opfern und sei stolz auf deine Unabhängigkeit und Neutralität. Wenn laut einer EU-Studie 59 Prozent der Europäer und 65 Prozent der Deutschen Israel als größte Gefahr für den Weltfrieden ansehen, ist das zu einem erheblichen Teil dein Verdienst.

Wenn du alle Ratschläge dieses Handbuches beherzigst, hast du besonders gute Chancen, bei Arte, beim ZDF, beim stern oder bei der Süddeutschen Zeitung unterzukommen.

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Die Bier-Diskussion

21. Februar 2008 · 1 Kommentar

Heute Morgen, bei der Arbeit. Ich entlade gerade den Lastwagen als mich ein Mann, mit nur 3 Zähnen anspricht. „dieses Beck‘s kann man gar nicht saufen was?“ Ich stelle die beiden Kästen Beck‘s vor mir ab. „Ach was.“ Was jetzt kommt hab ich schon (gefühlte) hundertmal mitgemacht: Die Bier-Diskussion.

Zuerst bekomme ich zuhören welche Marken absolut zu Kotzen sind, in der Regel: Beck‘s, Warsteiner , Krombacher usw… dann folgt ein gnadenlosen „Name-dropping“ der bevorzugten Biersorten. Bei diesem „wirklich guten“ Bier handelt es sich meistens um kleinere Brauereien aus der Region. Dieses Phänomen kommt in allen Bundesländern vor – wurde mir erzählt.

Unser Dozent auf der Zivischule machte mit seinen Zivis gerne folgendes Experiment, er ließ jeden sein Lieblings Bier mitbringen. Mit verbunden Augen sollte dann, nur durch den unverwechselbaren Geschmack, der eigene Favorit herausgeschmeckt werden. Kein einziger konnte „sein“ Bier am Geschmack erkennen bzw. seinen Zufallstreffer wiederholen… den unterschied zwischen Bier aus Franken und Bier Sachsen macht scheinbar nur das Etikett. Es gab jedenfalls immer lange Gesichter bei Bayern, Schwaben, Sachsen und Franken… Die Wahrheit befreit, oder?

Frage: haben wir mit 14 angefangen Bier zu trinken weil es uns so gut geschmeckt hat? oder weil wir die großen Jungs und die Erwachsen alle Biertrinken sahen? Wir haben uns an das trinken von Bier gewöhnt, genauso wie an das trinken von Kaffee und jetzt gehört es halt dazu. Bier trinken ist nicht schlecht, nur einen Kult daraus zu machen – ich weiß nicht.

Zurück zur Geschichte. Der Mann betet also seine Liste mit „wirklich gutem“ Bier herunter, ich streue hin und wieder ein „aha“ , „ach was“ oder „hört hört“ ein. Nach 3 Minuten lässt der Fremde von mir ab und ich bringe, nun sichtlich erheitert, mein Tagwerk zu ende.

Ach ja; Wer ständig auf Kommerz-Bier rumhackt sollte sich in Erinnerung rufen das es die kleinen Brauereien sind deren Produkte Durchfall verursachen. (Dieses Phänomen ist vor allem im Süddeutschen Raum zu beobachten.) Und bevor jemand auf den Gedanken kommt mich zu fragen welches Bier Ich denn am liebsten trinke: „Das, dass DU bezahlst!“

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