Martin Scotts Eschatology podcast notes #8: Hal Lindsey

Eschatology podcast notes #8: Hal Lindsey

 von Martin Scott

In diesem Podcast geht es um Hal Lindsey.

Lindsey ist ein produktiver Schriftsteller, der behauptet, der in der Lage zu sein, aktuelle Ereignisse im Licht der prophetischen Schriften  interpretieren zu können. Er hat großen Einfluss auf die dispensationalistischen Gläubigen.

Er schrieb unter anderem folgende Bücher:

  • Late Great Planet Earth (1970)
 Alter Planet Erde wohin? (1971)
  • There’s a New World Coming (1973)
  • The 1980′s Countdown to Armageddon (1980)
  • The Final Battle (1994)
  • Planet Earth 2000 A.D. (1994, & 1996)
  • Apocalypse Code (1997)
P
  • Planet Earth: The Final Chapter (1998).

(Einige dieser Bücher sind umgeschriebene ältere Titel.)

Es ist unvermeidlich, dass es zu Änderungen in Bezug auf die Vorhersagen innerhalb der Bücher kam (was unvermeidlich ist, wann immer versucht wird, aktuelle Ereignisse in biblische Prophetie einzupassen). Hier ist eine solche Revision (das erste Zitat ist aus einer Veröffentlichung im Jahre 1980 und das zweite von 1998):

The goal of this book is not merely to show which prophecies have been fulfilled since Late Great came out in 1970, however. Even more important, it is intended to analyze what will occur in the decade we have just entered… The decade of the 1980’s could very well be the last decade of history as we know it. (Lindsey, The 1980’s Countdown to Armageddon (1980), p. 7.)

This book doesn’t dwell on the past, it looks to the future. Because we are so close to the final, climactic stages of world history, it is considerably easier today for the student of Bible prophecy to see with some accuracy what’s coming next… I am certain… The Second Advent will occur in the next few years – probably in your lifetime. (Lindsey, Planet Earth: The Final Chapter (1998), p. 3.)

Das erste Buch, geschrieben im Jahr 1980, prognostiziert, dass die 80er Jahre das letzte Jahrzehnt seien; das zweite 1998 geschriebene Buch schiebt es ein paar Jahre weiter! Da wir bereits einige Jahre über 1998 hinaus sind, wäre mittlerweile eine neue Vorhersage fällig! Lindsey hat konsequent an der interpretativen Perspektive festgehalten, dass die gegenwärtige Generation diejenige ist, von der die Bibel spricht, wenn es um die Erfüllung der Schrift geht:

It is clear that the Bible can’t be talking about any other time in history but today. No man knows the day or hour this dramatic climax is going to occur. But there can be little doubt that this is the generation. It could start tomorrow. (Lindsey, Planet Earth: 2000 A.D. (1994), p. 151.)

Er interpretiert gegenwärtige Nationen als die Völker, die in der Bibel vorkommen, so sind die Palästinenser die Philister der Schrift und der Libanon ist das alte Tyros (Lindsey, Planet Eeath: The Final Chapter. 1998, S. 2-3). Dies geschieht ohne Grundlage. Ausgehend von Sprache  zu behaupten, dass die Palästinenser die Philister sind, würde so viel Sinn machen wie anzudeuten, dass die Amerikaner die Aramäer der Bibel sind!

Die apokalyptischen Visionen der Offenbarung sind wörtlich zu nehmen  (oder zumindest einmal wörtlich durch Lindseys Raster neu zu interpretieren). Johannes hatte keine passende Sprache, um zu beschreiben, was er sah, aber durch die Anleitung  Lindseys  wissen wir, dass die „Heuschrecken“, von denen er spricht, in Wirklichkeit Hubschrauber sind:

‚horses prepared for battle‘ are heavily armed attack helicopters, ‚crowns of gold‘ are the helmets worn by pilots, and the ’sound of their wings‘ are the thunderous sound of many attack helicopters flying overhead. (Lindsey, Apocalypse Code (1997), p. 42.)

Bei dem ‚Bogen‘ in den Händen des Antichristen (?) in Offenbarung 6,1-2, handelt es sich offenbar um Interkontinentalraketen (Lindsey, Apocalypse Code (1997), S. 72).

Es ist diese Art der Interpretation, welche die Bücher sowohl beliebt als  auch gefährlich macht. Beliebt, weil der Leser jetzt eine Insider-Information über den Fortschritt der Geschichte hat, und gefährlich, weil es dadurch kein Verlangen mehr gibt, die Welt, in der wir leben, auf irgendeiner Ebene zu verändern. Die Welt bewegt sich geradewegs auf ihre Zerstörung zu, aber auf wunderbare Art und Weise werden die Gläubigen vom Schauplatz entrückt, wodurch ihnen alle diese Schwierigkeiten erspart bleiben. In Bezug auf die Feierlichkeiten für das neue Jahrtausend schrieb Lindsey:

Just for the record: I’m not planning to attend. In fact looking at the state of the world today, I wouldn“t make any long-term earthly plans. We may be caught up to meet Christ in the clouds, between now and then – just as I described in an earlier chapter. Could I be wrong? Of course. The rapture may not occur between now and the year 2000. But never before in the history of the planet have events and conditions so coincided as to set the stage for this history-stopping event… I want to spend the final pages of this book discussing what I expect to see happen in the hours and minutes we have left. (Lindsey, Planet earth: 2000 A.D., p. 306.)

Die Bedrohung der „Endzeit“ kann man an den Behauptungen Lindseys erkennen, der Antichrist sei am Leben und in Europa, wo er sich schon bereit macht.

Der Antichrist ist lebendig und bereit in Europa:

Hierzu  eine Reihe von Zitaten aus den Schriften Lindseys:

I believe this man is alive today-alive and waiting to come forth… I believe this leader is alive somewhere in Europe; perhaps he is already a member of the EEC parliament (Lindsey, Late Great Planet Earth (1970), p. 113.)

He will immediately rise to prominence in the EEC and from that post he will offer the world amazing solutions to all its complex and terrifying problems. Because of his superhuman powers and his solutions to the world’s conflicts, the anti-Christ will be chosen to lead the EEC. (Lindsey, The 1980“s Countdown to Armageddon (1980), pp. 15, 106.)

Heading up what will evolve into a 10-nation confederacy will be a man of such magnetism and power that he will become the greatest dictator the world has ever known… And he is alive today. There is a potential dictator waiting in the wings somewhere in Europe who will make Adolf Hitler and Josef Stalin look like choir boys. Right now he is preparing to take his throne, inflaming his soul with visions of what he will be able to do for mankind with his grand schemes and revolutionary ideas… Is alive and well on planet Earth… Lets go meet him. (Lindsey, The 1980“s Countdown to Armageddon (1980), p. 109.)

Der Fokus dieser Beiträge ist nicht, alle Aussagen dieses Autors (und anderer) zu diskutieren, sondern lediglich, zu versuchen, die Entwicklung dieser Theologie zu verfolgen und zu zeigen, wo und wie sie im christlichen Denken eingebettet wurde. Nach einer kurzen Zusammenfassung des dispensationalistischen Schemas werde ich mich dem Thema der Entrückung selbst zuwenden.

Das dispensationalistische Programm für das Ende:

Daniels Vision von den 70 Wochen (Dan. 9:24-27)  wird als ein Schlüssel gesehen. Irgendwann gegen Ende der 69. Woche wird „ein Gesalbter ausgerottet werden“ – dies ist ein Hinweis auf Jesus. Darauf folgt eine Lücke in der zeitlichen Abfolge; die 70. Woche liegt also noch in der Zukunft. (Jede dieser 70 „Wochen“ ist ein Zeitraum von 7 Jahren, einer dieser Zeiträume von 7 Jahren hat jedoch noch nicht begonnen, sondern liegt noch Zukunft.)

[Dieser Einschub ist absolut entscheidend für das  dispensationalistische Modell, obwohl nichts im Text darauf einen Hinweis gibt.]

In diesem Einschub erlebt die Kirche ihr Zeitalter. An dessen Ende steht die Entrückung (die Kirche wird in den Himmel geholt), und dann beginnt sich die letzte „Woche“ zu entfalten. [Einige sagen jedoch auch, dass die Kirche erst auf halbem Weg durch dieses letzte Woche entrückt wird, also nach 3 1/2 Jahren in diesem Zeitraum.] Während dieser letzten 7 Jahre findet das Mahl des Lammes im Himmel statt und der Heilige Geist wird von der Erde genommen; in dieser Situation erscheint auch der Antichrist. Er kommt in der Mitte dieser letzten „Woche“ und zerstört den wieder aufgebauten Tempel in Jerusalem. Danach wird er seine Armeen versammeln, um Israel zu bekämpfen und es kommt zur Schlacht von Harmagedon. Dann haben wir das zweite Kommen von Jesus, der die Kräfte, die sich gegen Israel versammelt haben, zerstören wird (dies wird wort-wörtlich als Schlacht verstanden). Auf Grund der stattgefundenen Verfolgung sind die Juden nun in der Lage, Jesus als Messias zu empfangen. Nach der Schlacht wird das tausendjährige Reich, in dem alle Völker dem davidischen König Jesus untertan sind, aufgerichtet. Während dieser tausendjährigen Herrschaft werden Menschen geboren und auch sterben. Einige werden sich nicht Jesus zuwenden, so dass Satan, wenn er am Ende dieser Periode  freigelassen wird, noch einmal er in der Lage ist, die Nationen zu täuschen;  es gibt eine letzte Schlacht (Offb 20,7-9). Darauf folgt das letzte Gericht und schließlich bricht die Ewigkeit an, in der die Kirche Gottes Gegenwart im neuen Himmel und Israel die Verheißungen, die David gegeben wurden, im Königreich auf der neuen Erde genießen werden.

[Es gibt Variationen des Schemas, das ich hier dargestellt habe, aber es ist typisch genug, um im Vergleich mit anderen immer noch als dispensationalist sich erkannt zu werden.]

[Hier geht’s zur englischen Version und hier zum Podcast selbst.]

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Martin Scotts Eschatology podcast notes #7: C.I. Scofield

Eschatology podcast notes #7: Scofield

Von Martin Scott

Warum beschäftigen wir uns so viel mit Dispensationalismus und der Entrückung? Der Grund hierfür ist nicht nur der weit verbreitete Glaube an die Entrückung, sondern auch der Einfluss, den diese Art von Eschatologie hatte. Dispensationalistisches Denken hat auch andere Theologien beeinflusst. Zum Beispiel hörte ich neulich in einer an sich nicht-dispensationalistischen Lehrreihe von Entrückung und einem himmlischen Jerusalem, das parallel zum  irdischen existierte.   Es handelte sich also um dispensationalistisch angehauchte Theologie. Natürlich könnte jemand zu dem Schluss kommen, dass das auch biblisch ist.

Auch wenn nicht alle an eine Entrückung glauben, die Popularität der Finale-Bücher zeigt, welchen Effekt diese Herangehensweise an die Bibel hat. Von Endzeitszenarien geht eine große Faszination aus.

Dieser weitreichende Einfluss bedeutet, dass wir es nicht vermeiden können uns damit auseinandersetzen. Bevor wir aber unsere Kritik am Dispensationalismus weiter ausführen, zunächst ein kleiner Rückblick:

  • An den Wurzel: Irving und Darby,
  • dann der bedeutende Einfluss des nordamerikanischen Erweckungspredigers D.L. Moody;
  • die Veröffentlichung der Scofield Bibel (und Ableger wie der Charles Ryrie Study Bible), bei der eine vorgegebene Auslegung direkt in die Bibel gedruckt wurde;
  • die Reaktion auf Liberalismus und die Veröffentlichung der zwölfbändigen Taschenbuchreihe „The Fundamentals“ (1910-1915), welche stark von dispensationalistischen Lehrern beeinflusst ist;
  • die Pfingstbewegung, die ihre Eschatologie dem Dispensationalismus entliehen hat, ebenso so wie große Teile der Charismatischen Bewegung.

Schauen wir uns jetzt die Herangehensweise der Dispensationalisten an die Bibel an: sie wollen sie wörtlich nehmen. Das ist natürlich naiv und wir werden, wenn wir uns anschauen, was sie selbst zu sagen haben, auch sehen, dass sie in dieser Hinsicht inkonsequent sind. Was sind also die Gefahren ihrer Interpretationen? Liegt der Fokus auf dem, was die Bibel sagt, oder auf aktuellen Ereignissen, mit denen die Auslegung in Einklang gebracht wird? Letzteres wird manchmal auch Zeitungs-Exegese genannt.

Charisma veröffentlichte im April 1991 einen Artikel mit dem Titel „Der Golfkrieg und darüber hinaus: Angesehene Gemeindeleiter behandeln Fragen zu Krieg, Frieden, Prophetie und dem Nahen Osten“.

Einer der interviewten Leiter in diesem Artikel sagte:

Jesaja 21 spricht von dem Fall Babylons. Vers 1 erwähnt einen Sturm aus der Wüste: „Wie Stürme den Süden (die Wüste Negev) durchfegen, so wird es [das Gericht Gottes durch feindliche Heere] auch aus der Wüste kommen“ (Amp.). Das könnte die Operation Desert Storm sein! [Für diejenigen, die sich an den Krieg erinnern, Operation Desert Storm („Unternehmen Wüstensturm“) war der Name der von den USA geführten Offensive gegen den Irak.]

Auf den ersten Blick klingt das ziemlich einleuchtend, es scheint tatsächlich einige bemerkenswerte Parallelen zwischen Jesaja 21 und dem Golfkrieg zu geben. Aber schauen wir nochmal genauer hin: ist das wirklich, was Jesaja im Sinn hatte?

Die Parallelen sind zufällig …

Warum sollten die Schrecken der Offenbarung gleich um die Ecke lauern … und nicht in der Vergangenheit? – Was ist zum Beispiel mit der Beulenpest, die ein Drittel der Bevölkerung Europas getötet hat… oder warum nicht gleich eine ganz andere Interpretation?

Es ist dieser erschreckende Einfluss (und seine Auswirkung, die oft Angst anstatt Glauben freigesetzt hat), der mich motiviert hat, diesem Thema so viel Zeit zu widmen.

Hier ist jetzt das frische Material aus der historischen Entwicklung.

Cyrus Ingerson Scofield (1843-1921)

Es gibt viele Kontroversen im Bezug auf  Scofields Leben und Fragen rund um seine Integrität wurden nie angemessen beantwortet. Allerdings hat die zentrale Frage in diesem Artikel mit seiner Popularisierung der dispensationalistischen Sichtweise zu tun.

Scofield war ein Anhänger von James Brookes (Pastor der Walnut Street Presbyterian Church, St. Louis), der von J.N. Darby beeinflusst wurde, und Scofield wiederum hatte großen Einfluss auf D.L. Moody (und es war Scofield, der bei dessen Beerdigung amtierte).

Scofield benutzte den Text in 2. Timotheus 2,15 über „das Wort der Wahrheit recht austeilen“, um anzudeuten, dass es Unterteilungen innerhalb der Schrift gab, die richtig zu erkennen galt. Das war der Grundstein für sein Verständnis der verschiedenen Zeitalter in der Heiligen Schrift. Die Unterstützung des Moody Bible Institute und des Dallas Theological Seminary gaben Scofields Buch: „Dividing the Word of Truth“ einen kräftigen Schub. (Es wurde seit diesen frühen Jahren oft nachgedruckt.)

Der Einfluss der Scofield Bibel [Scofield Reference Bible (1917); The New Scofield Study Bible (1984)] kann nicht unterschätzt werden. Das „Geniale“ an ihr war, dass jetzt die Art und Weise, wie die Bibel zu interpretieren war, direkt in dieser abgedruckt war. Es bestand keine Notwendigkeit für zusätzliche Bücher, das ganze System war in sich geschlossen.

Die folgenden Zitate veranschaulichen den Einfluss der Scofield Bibel:

Das wichtigste Dokument des Fundamentalismus… welches die normale religiöse Nahrung von vielen Millionen von Lesern wurde. Der Name selbst macht deutlich, worum es sich handelt, nämlich um eine private Interpretation… Sowohl ernste biblische Forschung als auch die gewachsenen Traditionen der großen Kirchen wurden gleichermaßen ignoriert. (Siehe: James Barr, Flucht aus der Fundamentalismus (London, SCM, 1984), p. 6.)

The Scofield Reference Bible became the Bible of fundamentalism, and the theology of the notes approached confessional status in many Bible schools, institutes and seminaries established in the early decades of this century. (Craig A. Blaising ‘Dispensationalism, The Search for Definition’ in Dispensationalism, Israel and the Church, The Search for Definition ed. Craig A. Blaising & Darrell L. Bock (Grand Rapids, Michigan, Zondervan, 1992) p. 21.) [Blaising ist selbst ein (progressiver) Dispensationalist, sein Statement ist also keine Kritik an Scofields Arbeit.]

Die Scofield Bibel selbst verkauft sich phänomenal. Allein in den USA wurden bis 1945 rund 2 Millionen Exemplare verkauft.

Scofields sieben Dispensationen

Obwohl es Unterschiede zwischen den Dispensationen (Zeitalter) in der Original-Bibel von 1917 und der überarbeiteten Version von 1984 gibt, bleibt die grundlegende Form die gleiche. Hier skizziere ich die neuere Reihenfolge:

1. Unschuld (1. Mose 1,28)

2. Gewissen oder moralische Verantwortung (1. Mose. 3,7)

3. Menschliche Regierung (1. Mose 8.15)

4. Verheißung (1.Mose. 12,1)

5. Gesetz (2. Mose. 19,1)

6. Kirche (Apg. 2,1)

7. Königreich (Offb 20,4)

Dass diese Einteilung der Schrift aufgezwungen wurde, ist hoffentlich klar. (Die klare Trennung in der Bibel ist die zwischen dem Gesetz, den Propheten und dem Evangelium, das durch Christus gekommen ist. Wir lesen: „alle Propheten und das Gesetz haben geweissagt bis hin zu Johannes. (Mt 11,13)“ Aber in Scofields Einteilung handelt Jesus unter der Dispensation des Gesetzes.

Die Evangelien sind für die Juden bestimmt; so ist zum Beispiel das Vaterunser und der Satz „vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ nicht auf die Kirche anwendbar, weil sie auf der Grundlage des Gesetzes basieren. Die Briefe sind dann für die Kirchen-Zeitalter, und dieses Zeitalter der Gnade wird mit dem Abfall der Kirche zu Ende gehen. Wenn das Zeitalter der Kirche mit ihrem Versagen und ihrer Abtrünnigkeit endet, wird sie durch eine wiederbelebte Nation Israel, welche die Segnungen des letzten Königreich-Zeitalters genießt, abgelöst werden. Durch die Trennung von Israel und der Kirche kann Scofield sogar darauf bestehen, dass Israel die Frau des Herrn ist, während die Kirche die Braut Christi ist. (Scofield, Scofield., Fn. 1, p. 922.)

Das Ende des Zeitalters der Kirche (oder der Dispensation der Gnade) wird die Apostasie der Kirche zu sein, zusammen mit der Verwirrung, die auf einer falschen Einheit rund um das Papsttum basiert. Das Babylon der Offenbarung nimmt zwei Formen an: Ein kirchliches Babylon und ein politisches Babylon, wobei letzteres schließlich ersteres zerstören wird (Offb 17:15-18). Es finden sich in diesem so entwickelten System offensichtliche Widersprüche zur Bibel, aber es hat den Weg für diejenigen, die folgen geebnet. Schriftsteller wie Hal Lindsey (siehe unseren nächsten Podcast) haben, insbesondere ermutigt durch die Gründung des Staates Israel im Jahre 1948, in diesem Schritt die klare Erfüllung der Schrift gesehen und die Erwartung einer Belebung bei den Juden und einer bevorstehende Rückkehr Christi entwickelt.

[Hier geht’s zur englischen Version und hier zum Podcast selbst.]

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Brace yourselves Christmas is coming

Für alle die noch nicht wissen was sie mir zu Weihnachten schenken sollen:

Gefunden auf www.missminimalist.com

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Bonhoeffer zum Thema „Askese“

Beim lesen von „Nachfolge“ bin ich u.a. an folgender Passage hängengelieben:                                                                                
„Jesus setzt als selbstverständlich voraus, daß die Nachfolgenden die fromme Übung des Fastens halten. Zum Leben der Nachfolgenden gehört die strenge Übung der Enthaltsamkeit. Solche Übungen haben den einzigen Zweck, den Nachfolgenden für den ihm befohlenen Weg und für das ihm befohlene Werk bereiter zu und freudiger zu machen. Der selbstische und träge Wille, der sich nicht zum Dienst treiben läßt, wird gezüchtigt, das Fleisch wird gedemütigt und gestraft. In der Übung der Enthaltsamkeit wird die Entfremdung meines christlichen Lebens von der Welt deutlich spürbar. Ein Leben, das ganz ohne asketische Übung bleibt, das sich alle Wünsche des Fleisches gönnt, so lange sie nach der Justitia civilis „erlaubt“ sind, wird sich für den Dienst | Christi schwer bereiten. Das satte Fleisch betet nicht gern und schickt sich nicht zum erwartungsvollen Dienst. So bedarf das Leben des Jüngers der strengen äußeren Zucht. Nicht als könne hierdurch der Wille des Fleisches erst gebrochen werden, als geschehe das tägliche Sterben des alten Menschen durch etwas anderes als durch den Glauben an Jesus. Aber eben der Glaubende, der Nachfolgende, dessen Wille gebrochen ist, der an Jesus Christus gestorben ist nach seinem alten Menschen, kennt die Rebellion und den täglichen Stolz seines Fleisches. Er kennt die Trägheit und Zügellosigkeit und weiß, daß sie die Quelle des Hochmuts ist, der geschlagen werden muß. Das geschieht durch tägliche und außerordentliche Übung der Zucht. Es gilt vom Jünger, daß der Geist willig, aber das Fleisch schwach ist. Darum „wachet und betet“. Der Geist erkennt den Weg der Nachfolge und ist bereit, ihn zu gehen, aber das Fleisch ist zu furchtsam, der Weg ist ihm zu beschwerlich, zu unsicher, zu mühsam.  So muß der Geist verstummen. Der Geist bejaht das Gebot Jesu zur unbedingten Feindesliebe, aber Fleisch und Blut sind zu stark, so daß es nicht zur Tat wird. So muß das Fleisch in täglicher und außerordentlicher Übung und Zucht erfahren, daß es kein eigenes Recht hat. Hierzu hilft die tägliche, geordnete Übung des Gebets, wie auch die tägliche Betrachtung des Wortes Gottes, hierzu hilft allerlei Übung leiblicher Zucht und Enthaltsamkeit. Der Widerstand des Fleisches gegen diese tägliche Demütigung kommt anfangs frontal, später versteckt hinter den Worten des Geistes, d.h. im Namen der evangelischen Freiheit. Wo die evangelische Freiheit vom gesetzlichen Zwang, von Selbstzermarterung und Kasteiung grundsätzlich gegen den rechten evangelischen Gebrauch von Zucht, Übung und Askese ausgespielt wird, wo Zuchtlosigkeit und Unordnung im Gebet, im Umgang mit dem Wort, im leiblichen Leben gerechtfertigt werden im Namen christlicher Freiheit, dort ist | der Widerspruch gegen das Wort Jesu offenbar. Dort weiß man nichts mehr von der Weltfremdheit des täglichen Lebens in der Nachfolge, ebensowenig aber von der Freude und nun gerade auch von der wahren Freiheit, die die rechte Übung dem Leben des Jüngers verleiht. Wo immer der Christ erkennt, daß er in seinem Dienst versagt, daß seine Bereitschaft erlahmt, daß er schuldig geworden ist an fremdem Leben, an fremder Schuld, daß seine Freude an Gott ihm ermattet, daß die Kraft zum Gebet nicht mehr  da ist, dort wird er den Angriff auf sein Fleisch unternehmen, um  sich durch Übung, durch Fasten und Beten (Lk. 2,37; 4,3; Mk. 9,29; 1. Kor. 7,5), zu besserem Dienst zu bereiten. Der Einwand, der Christ müsse statt zur Askese seine Zuflucht zum Glauben, zum Wort nehmen, bleibt völlig leer. Er ist unbarmherzig und ohne helfende Kraft. Was ist denn ein Leben im Glauben, wenn nicht der unendliche mannigfache Kampf des Geistes gegen das Fleisch? Wie will einer im Glauben leben, den das Gebet träge macht, dem das Schriftwort verleidet ist, dem Schlafen, Essen und Geschlechtslust umher wieder die Freude an Gott rauben?“                
 Dietrich Bonhoeffer: Nachfolge, 2. Aufl., (Gütersloh: Chr. Kaiser / Gütersloher Verlagshaus GmbH, 2005), 164-165.                                                                                                                                                  
Sehr viel von dem was ich in den letzten Jahren gelsesen habe (Blogs, Bücher, Essays) handelte davon, was wir -Jesusnachfolger- alles nicht (mehr) tun müssen. Umso spannender wie Bonhoeffer hier Dinge wie: Enthaltsamkeit, Fasten und Askese begründet.
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Martin Scotts Eschatology podcast notes #6: John Nelson Darby

Eschatology podcast notes #6: John Nelson Darby

von Martin Scott

Im letzten Beitrag haben wir uns mit dem sozio-historischen Kontext und den Wurzeln des Dispensationalismus beschäftigt. Heute machen da weiter, wo wir das letzte Mal aufgehört haben, bei John Nelson Darby.

John Nelson Darby (1800-1882)

Obwohl Darby seine Quellen nicht ausdrücklich würdigte, verweisen die meisten Gelehrten auf Irving als einen sehr großen Einfluss auf die von Darby entwickelten Ansichten. Er war eine charismatische Person, eine dominante Persönlichkeit, ein überzeugender Redner und ein eifriger Missionar für seine dispensationalistischen Überzeugungen. Er gegründete persönlich Plymouth Brethren-Kirchen in Deutschland, der Schweiz, Frankreich und den Vereinigten Staaten und übersetzte die ganze Bibel.

Die von Darby mit dem Samen eines separatistischen, premillennialistischen Dispensationalismus gepflanzten Kirchen schickten wiederum Missionare nach Afrika, in die Karibik, nach Australien und Neuseeland. Zum Zeitpunkt seines Todes im Jahr 1882 waren so bereits um die 1500 Plymouth Brethren-Kirchen weltweit  gegründet worden. Ab 1875 begannen seine Ansichten auch auf die Bibel- und Prophetie-Konferenzen, verbunden mit Niagara und anderen Zentren in Nordamerika, Einfluss zu nehmen. Die Verschiebung der Interpretation, die Darby bewirkte, blieb nicht unbemerkt: Roy Coad räumt beim Schreiben seiner Geschichte der Brüder-Bewegung ein, dass die traditionelle Sichtweise der Offenbarung durch eine andere ersetzt wurde. ( Vgl. Roy Coad, A History of the Brethren Movement, (Exeter, Paternoster, 1968), S. 129).

James Barr ist viel direkter, nach seiner Argumentation wurde der premillennialistische Dispensationalismus, …von J.N. Darby persönlich erfunden… zusammengebraut in völligem Widerspruch zu allen wichtigen christlichen Traditionen… (Vgl. James Barr, Escaping from Fundamentalism, (London, SCM, 1984),S. 6).

Es ist fast sicher (was Coad auch behauptet), dass die „futuristische Sicht“ der Endzeit, welche so offensichtlich in Darbys Schriften vorkommt, auf das von Irving übersetzte Buch: „Das Kommen des Messias in Herrlichkeit und Majestät“ zurückgeführt werden kann. Clarence Bass kommt bezüglich  Darbys Ansichten zu dem Schluss dass: „Such a concept is singularly missing from historic Christian theology… Darby is pointedly correct in stating that this came to him as a new truth, since it is not to be found in theological literature prior to his proclamation of it. It is not that exegetes prior to his time did not see a covenant between God and Israel, or a future relation of Israel to the millennial reign, but they always viewed the church as the continuation of God’s single program of redemption begun in Israel.“ (Clarence Bass, Backgrounds to Dispensationalism (Grand Rapids, Eerdmans, 1986) pp. 26-27.)

Wir stellen fest, dass hier ein wichtiger Argument gebracht wird:

• Darby sieht die Kirche nicht als die Fortsetzung von Gottes einzigem Erlösungs-Plan, vielmehr wird die Kirche zu einem Einschub im Werk Gottes. Das Vorhaben Gottes war (in der Vergangenheit) auf Israel zentriert und wird dies auch (in Zukunft) wieder sein.

Darby begann 1831 mit der Veröffentlichung seiner prophetischen Spekulationen. Sowohl er als auch Edward Irving begannen von, zwei Stufen der bevorstehenden Rückkehr Christi auszugehen. Zuerst würde es ein unsichtbares „Erscheinen“ Christi geben, bei dem die Christen ihn in der Luft treffen würden, um von der Erde genommen zu werden; was später als die Entrückung der Heiligen bekannt wurde. Danach würde die Gegenwart des Heiligen Geistes vorübergehend von dieser Welt genommen, der Antichrist auftreten und eine sieben jährige Trübsal beginnen. Seine Herrschaft würde schließlich erst durch das (zweite) öffentliche Erscheinen Jesu zerschlagen werden.

Darby hatte zunehmenden Einfluss auf andere Veranstaltungsorte, einschließlich der Powerscourt-Konferenzen in Dublin in den 1830ern (er war ursprünglich ein ordinierter Priester der Anglikanischen Kirche in Dublin), sowie in New York 1868, in London 1873 und Chicago 1875. Seinen Höhepunkt erreichte dies während der Bibel Konferenz-Bewegung und der Niagara-Konferenzen von 1883 bis 1897. Regelmäßige behandelte Themen waren dort unter anderem Spekulationen über die Parusie, (the second coming).

Im Bezug auf die Entrückung, gab Darby nur viel zu, dass seine Lehre davon eine Innovation, das Ergebnis „ausdrücklicher Offenbarung“ sei; tatsächlich schien er mit der Reaktion darauf sehr zufrieden zu sein.

Obwohl sein Einfluss auf die Brüderbewegung in England schwand, erhöhte sich Darbys Einfluss in Nordamerika. Er reiste in einem Zeitraum von zwanzig Jahren siebenmal dorthin. Es wurde geschätzt, dass er in diesen zwanzig Jahren 40% seiner Zeit in der Vereinigten Staaten verbrachte und erheblichen Einfluss auf Leiter wie James H. Brookes, Dwight L. Moody, William Blackstone und C. I. Scofield hatte, ebenso wie auf die aufkommenden evangelikalen Bibelschulen und Prophetie-Konferenzen.

George Marsden schreibt in seiner Geschichte vom Aufstieg des Fundamentalismus zwischen 1870 und 1930 (man beachtet die Namen, die er aufzählt):

This new form of premillennial teaching, imported from England, first spread in America through prophecy conferences where the Bible was studied intently. Summer conferences, a newly popular form of vacation in the age of the trains, were particularly effective. Most importantly, Dwight L. Moody had sympathies with the broad outlines of dispensationalism and had as his closest lieutenants dispensationalist leaders such as Reuben A. Torrey (1856-1928), James M. Gray (1851-1925), C. I. Scofield (1843-1921), William J. Erdman (1833-1923), A.C. Dixon (1854-1925), and A. J. Gordon (1836-1895). These men were activist evangelists who promoted a host of Bible conferences and other missionary and evangelistic efforts. They also gave the dispensationalist movement institutional permanence by assuming leadership of the new Bible institutes such as the Moody Bible Institute (1886), the Bible Institute of Los Angeles (1907), and the Philadelphia College of the Bible (1914). The network of related institutes that soon sprang up became the nucleus for much of the important fundamentalist movement of the twentieth century. Dispensationalist leaders, in fact, actively organised this antimodernist effort. Notably, they oversaw the publication between 1910-1915 of the widely distributed twelve-volume paperback series, The Fundamentals. (George M. Marsden. Understanding Fundamentalism and Evangelicalism (Grand Rapids, Michigan, Eerdmans), 1991. p. 40.)

Ohne die Verbindung mit diesen einflussreichen Leitern in Nordamerika wäre der Dispensationalismus wahrscheinlich nur eine unbedeutende  Perspektive auf die Eschatologie geblieben. Und es war wahrscheinlich die Scofield Bibel, die zum mächtigsten Werkzeug dabei wurde, dass sich eine dispensationalistische Bibelauslegung ausbreiten konnte.

C. I. Scofield und seiner Scofield Bibel werden wir uns im nächsten Podcast zuwenden, bis dahin…


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